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Schalenobst

Während der Gemüsegarten jedes Jahr viel Arbeit macht, kann man mit Obst, weil es an mehrjährigen Sträuchern und Bäumen wächst, wohl am leichtesten einen hohen Selbstversorgungs-Anteil erreichen - z.B. als Zutat für's Müsli - aber Obst allein ist ein bisschen wenig. Eine weitere Zutat für's Müsli sind Haferflocken, aber den Hafer anzubauen ist recht mühsam. Den Hafer könnte man aber zumindest teilweise durch gemahlene Nüsse ersetzen. Das ist sogar eine Verbesserung bezüglich Geschmack, Nährstoffgehalt und Abwechslung -
Und siehe da, Nüsse und ähnliches sind, wie Obst, mehrjährige Pflanzen, die ähnlich wenig Arbeit machen wie Obst. Einmal hat man die Arbeit, sie zu pflanzen und eventuell vorher den Platz frei zu machen und herzurichten. Später hat man nur noch wenig Arbeit. Man muss fast nur noch ernten und verarbeiten.


Haselnuss-Strauch,
Sorte "Hallesche Riesen", erst in diesem Jahr gepflanzt ...


.. trägt er sogar schon ein paar Nüsse
Aufnahmen 21. August 2011



Haselnuss, Sorte "Rote Zellernuß"
ebenfalls erst 2011 gepflanzt und trägt schon. Eigentlich sollten die Blätter rot sein, aber wenigstens die Hüllblätter der Nüsse sind es.
19. August 2011

Haselnüsse

Diese Nüsse sind mir vom Geschmack auf die Dauer am liebsten - und glücklicherweise sind sie auch am einfachsten zu kultivieren, denn sie kommen mit unserem Klima gut zurecht. Das gilt zwar besonders für die einheimischen Wildhaselnüsse, aber sie sind klein (machen dadurch mehr Arbeit beim Aufsammeln und Verarbeiten) und vor allem ist der Ertrag sehr unterschiedlich, oft eher gering.
Die Kultursorten liefern größere Nüsse, mit je nach Sorte unterschiedlichem Geschmack, und mehr Ertrag als die Wildhaselnüsse. Da die Haselnüsse nicht selbstfruchtbar sind, sollte man mindestens zwei Sorten pflanzen, sofern keine Wildhaselnüsse in der Nähe sind.

Standort
Die Haselnüsse werden stattliche Sträucher mit einigen Metern Durchmesser. Sie brauchen also schon etwas Platz. Die Bodenansprüche sind nicht hoch, aber der Standort sollte wenigstens einigermaßen sonnig sein.
Die Nüsse müssen nicht gepflückt werden, sondern fallen selbst herunter, wenn sie reif sind. Um sie möglichst alle zu finden und auflesen zu können, sollte der Platz unter dem Strauch nicht mit hohem Gras oder Gestrüpp bewachsen sein. Es darf auch eine harte Fläche sein, denn anders als z.B. Äpfel nehmen die Nüsse keinen Schaden, wenn sie hart fallen. Eine Straße ist aber ungünstig, weil dort viele Nüsse platt gefahren werden. Eine wenig befahrene Einfahrt o.ä. kann es aber schon sein - und so kann der Raum darüber sogar noch genutzt werden.

"Mitbewerber"
Für die Nüsse interessieren sich auch die Eichhörnchen. Wenn man nur wenige hat, bleiben einem vielleicht selbst fast keine. Dagegen hilft es, viele anzubauen, denn dann kommen die Eichhörnchen nicht nach mit dem Ernten. So etwas funktioniert, so lange die Gegenspieler vorhanden sind, bei den Eichhörnchen z.B. die Marder.

Etwas schwieriger ist es mit dem Haselnußbohrer. Das ist ein Käfer, der im Frühjahr schon an den Sträuchern knabbert und dann in die noch weichen Nüsse je ein Ei legt. Daraus schlüpft eine Larve, welche die Nuss mehr oder weniger auffrißt und dann ein Loch in die Schale nagt, durch das sie sich hinaus zwängt. Sie sucht sich dann einen Platz in der Erde, wo sie sich verpuppt und frühestens im nächsten Jahr wieder ein Käfer ist. Es soll helfen, wenn Hühner unter den Haselnus-Sträuchern scharren dürfen, denn sie dezimieren die Larven und senken so den Befallsdruck. Ich vermute, dass auch Singvögel ähnlich nützlich sind. Die betroffenen Nüsse fallen teilweise vorzeitig ab.
Man muss einfach alle Nüsse mit Loch aussortieren, denn dort sind die Larven schon "ausgezogen". Es kann aber gut sein, dass in den geernteten Nüssen noch Larven sind. Wenn man sie schon knackt begegnen sie einem in den halb aufgefressenen Nüssen.
Lässt man die Nüsse dagegen noch liegen, nagen die restlichen Larven ein Loch und kommen heraus. Wir stellen die gestapelten Steigen mit Nüssen auf zwei Leisten in eine Plastikwanne, in der sich dann täglich die Larven sammeln, statt überall herum zu robben. Wir geben sie den Hühnern, die sie sofort aufpicken. Nach ein paar Wochen sollten alle Larven draußen sein und man braucht nur noch die Nüsse mit Loch aussortieren. Die restlichen sollten in Ordnung sein.


Der obere Teil der Krone von unserem Walnußbaum - Er ist ca. 45 Jahre alt und schwer beladen.
21. August 2011

Walnüsse

Man sagt ja von den Walnüssen: "Der Vater pflanzt den Baum und die Kinder ernten davon". Ja so ist es bei uns. Zwar beginnen die veredelten Bäume schon nach ein paar Jahren, Nüsse zu tragen, aber bis man eine nennenswerte Ernte bekommt, dauert es eben doch länger. Walnussbäume richten sich nicht nach dem Zeitgeist, der z.B. auf die kurzfristigen Gewinne an der Börse aus ist.
Dafür sind sie sehr pflegeleicht. Wenn man sie gepflanzt hat, kann man ihnen noch etwas Gutes tun, indem man den Bereich unter der Krone und etwas darüber hinaus mit Mulchmaterial versorgt. Es hält den Boden feucht und fördert das Bodenleben, das Nährstoffe liefert, welche die vielen oberflächennahen Faserwurzeln des Baumes begierig aufnehmen.

Ansonsten braucht man nur noch zu ernten. Das heißt, man braucht nicht in den Baum hinauf zu klettern oder mit Stöcken nachhelfen, denn der Baum lässt die Nüsse ganz von allein fallen. Man braucht sie nur noch aufzusammeln - naja, selbst das artet bei einer reichen Ernte ziemlich in Arbeit aus. Die äußeren grünen Hüllen sind leicht zu entfernen, färben aber die Hände erst grün und später braun. Übrig bleibt die bekannte Nuß mit der gefurchten Schale.


Im Herbst 2009 gesäte Esskastanien auf der Fensterbank,
1. März 2010



Veredelter Esskastanien-Baum, Sorte "Belle Epine", gepflanzt im Frühjahr 2010, hat schon erste stachelige Kugeln, aus denen aber noch keine Kastanien werden.
23. August 2010


Von näher gesehen: Die stacheligen Kugeln mit weiblicher Blüte und die männliche Blüte

Esskastanien

 


Dürkheimer Krachmandel, gepflanzt im Herbst 2009
3. April 2011



Dürkheimer Krachmandel, Blüte
3. April 2011

Mandeln

 

*** Fortsetzung folgt ***


Links


A Farm for the Future
Ein sehr sehenswerter und wertvoller Film, dem ich eine eigene Seite gewidmet habe.
Es geht darum, wie Landwirtschaft in Zeiten knapper werdender Energie bestehen kann. Der Film ist nicht nur schön anzusehen, und informativ, sondern er ist sehr positiv und weist einen Weg in die Zukunft.

Stable Climates
Ein wichtiges Thema: Entwickelt sich die Erde zu einem Wüsten-Planeten oder zu einem "Modernen Urwald" mit üppiger Biosphäre, stabilem Klima und lebensfreundlichen Zuständen? Wir haben's in der Hand.
Der Text ist leider in Englisch, aber sehr deutlich, fast etwas phantastisch, aber gut!

Der Mann, der Bäume pflanzte (Elzeard Bouffier)
Diese nette Geschichte passt gut zu obigem Thema.

Großfeld und Garten
Dieser schöne Text war ehemals unter http://www.regenwurm.de/fr301.htm zu finden. Er ist ein Kapitel aus dem Buch Die letzte Chance für eine Zukunft ohne Not. Kurz zusammengefasst:
Im Garten hat man's mit der Humuspflege viel leichter, als auf dem Acker. Vom Ackerbau ist bisher nur der nasse Reisanbau nachhaltig, das heißt ohne ständige Abnahme der Humusschicht.

Boden / Humus / Mutterboden
Zitat daraus: "Vor 200 Jahren hatten die landwirtschaftlichen Nutzflächen in den meisten Ländern eine Humusschicht von durchschnittlich 60 Zentimetern, auf der unsere Nahrung wuchs. Heute ist diese Schicht, besonders in den USA, auf knapp 25 Zentimeter reduziert worden. Weitere 3 Zentimeter gehen alle 20 Jahre verloren." ... "Wir brauchen unseren Boden zum Nahrungsanbau! Er ist eine zu kostbare Ressource, als daß er mit einer derartigen Geringschätzung behandelt werden darf. Auf der anderen Seite sind ungerodete Wälder die einzigen Flächen, auf denen die Erosion des Humus überhaupt kein Problem darstellt."

Klimaveränderung durch Humusabbau (pdf-Datei)
Sehr interessant, unter anderem die Daten zum Kohlenstoffhaushalt und die Relation der Anteile in Atmosphäre, Biosphäre an Land, Humus, Meer, Fossilen Energien etc.
Zitate: Zur Humusauflockerung und somit zur Wasserspeicherung arbeiten im Boden nämlich an die 30 t Bodenlebewesen je ha. Das entspricht 60 Großvieheinheiten (z.B. Kühe). Zum Vergleich dazu können mit dem oberirdisch wachsenden Gras nur zwei Kühe je ha versorgt werden.
In Tabelle 2 wird gezeigt, dass aus dem Humus weltweit durch die chemische Landwirtschaft und durch Erosion in den letzten 50 Jahren ebensoviel CO2 pro Jahr freigesetzt wurde wie aus dem fossilen Energieumsatz.



Letzte Änderung 1. November 2011

Wolfram Zucker




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