Herr Colin J. Campbell
kurz vor dem Interview
Aufnahme: Paul Nellen

Interviev mit Colin J. Campbell



am Rand der Jahrestagung der ASPO Deutschland
in Berlin am 19. Mai 2009


interviewt von Paul Nellen

 

Sie können das Interview hier online anhören: Colin J. Campbell: "Time for solutions is running out"   (17:59 Minuten)



Ich habe das Interview abgetippt und übersetzt, siehe nachfolgend - mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung von Herrn Paul Nellen.
Anmerkungen von mir siehe unten.


  English (original) Deutsch (Übersetzung: Wolfram Zucker)
Paul Nellen The question is at first: You said this is one of your last lectures or speeches. Why? Die erste Frage ist: Sie sagten, das ist einer Ihrer letzten Vorträge oder Reden. Warum?
Colin Campbell This is, in deed, coming to the end of my activity in Peak Oil, because ... well, it ... I’m now 78 years old. That’s one good reason. And I’ve now given about a hundred lectures in different places. I’ve more or less said the story. And I find travelling a little bit tiring and tense, so – although it’s fun in a certain sense – I think, I had enough. I may make some exceptions in the future, but generally I’m trying to reduce it. And then the newsletter – I’ve been putting out this monthly newsletter and now we reached the hundred’th edition. And I find that I’m moving having to cover not the Peak Oil Question itself so much, but looking at the consequences and the politics and so on – and frankly I don’t have much qualifications on that side of things. So I’m giving it to somebody else to run on behalf of Ireland, but the style of the thing will evolve and change.

Ich komme in der Tat auf das Ende meiner Tätigkeit bezüglich Peak Oil zu, denn ... nun ... Ich bin jetzt 78 Jahre alt. Das ist ein erster guter Grund. Und ich habe bisher etwa hundert Vorträge an verschiedenen Orten gehalten. Ich hab die Geschichte mehr oder weniger erzählt. Und ich finde das Reisen etwas ermüdend und anstrengend, also - obwohl es in gewisser Hinsicht Spaß macht, denke ich, ich hatte genug. Vielleicht mache ich in der Zukunft ein paar Ausnahmen, aber insgesamt versuche ich, es zu reduzieren.
Und dann der Newsletter: Ich habe monatlich diesen Newsletter heraus gebraucht und jetzt haben wir die 100. Ausgabe erreicht. Ich merke, dass ich nicht mehr so sehr Peak Oil selbst behandeln muss, sondern den Blick auf die Folgen, die Politik und so weiter richten muss - und ehrlich gesagt habe ich nicht viel Qualifikation bezüglich der Seite des Themas. Also gebe ich es jemand anderem, der es im Namen Irlands weiterführen kann, aber der Stil wird sich weiter entwickeln und verändern.

Paul Nellen Do you think in the last ten years or so, that the world has accepted your message? Glauben Sie, dass in den letzten 10 Jahren oder so, die Welt Ihre Botschaft angenommen hat?
Colin Campbell Yes, I think, the awareness of Peak Oil is beginning to permeate ... I mean, you look up the internet today under Peak Oil and there is thousands of references to it. And it was I who even invented the word Peak Oil, just to give some name for my newsletter. Ja, ich denke, dass das Bewusstsein über Peak Oil beginnt, durchzudringen ... Ich meine, suchen Sie heute im Internet unter Peak Oil und es gibt Tausende von Verweisen darauf. Und es war ich, der sogar das Wort Peak Oil eingeführt hat, einfach um meinem Newsletter einen Namen zu geben.
Paul Nellen Do you think that political parties, even politicians, have now accepted Peak Oil as a concept, as a imminent threat? Denken Sie, dass Parteien, und sogar Politiker, Peak Oil akzeptiert haben als Begriff, als bevorstehende Bedrohung?
Colin Campbell Yea, I think the response of politicians and governments generally is very variable. Some ... I know that some countries, like Ireland and Sweden and so on, absolutely understand and accept, but they face enormous political problems to actually do much. But there’s a movement, you could say. And other places are more sceptical. I don’t think the British government has any understanding of this question – even though the peak of British production is now a fact beyond dispute. So – it’s not good politics to have a problem without a solution. And the solution is such a big one that it changes just the whole structure of everything. So it’s very difficult for politicians to admit to this – but I think they increasingly understand it in the back of their head. Ja, ich denke die Reaktion der Politiker und Regierungen ist sehr unterschiedlich. Manche ... Ich weiß, dass manche Länder wie Irland und Schweden usw. es durchaus verstehen und akzeptieren, aber sie haben enorme politische Probleme, tatsächlich viel zu ändern. Aber es gibt eine Bewegung, könnte man sagen. Und anderswo ist man skeptischer. Ich denke nicht, dass die britische Regierung Verständnis für diese Frage hat - obwohl der Peak der britischen Produktion inzwischen eine Tatsache jenseits aller Zweifel ist.
Nun, es ist keine gute Politik, ein Problem zu haben, ohne Lösung. Und die Lösung ist so weitreichend, dass sie die Struktur von allem verändert. Also ist es sehr schwierig für Politiker, sich darauf einzulassen - aber ich denke, dass sie es zunehmend in ihrem Hinterkopf verstehen.
Paul Nellen Why do politicians hesitate to invite you to give them, for example, a private lecture – maybe in England or in Ireland? Warum zögern Politiker, Sie einzuladen, damit Sie Ihnen z.B. einen persönlichen Vortrag geben - vielleicht in England oder Irland?
Colin Campbell Now, in Ireland I have had meetings with the minister and so on. Nun, in Irland hatte ich Treffen mit dem Minister usw.
Paul Nellen Tell me about this meeting. How was it? Erzählen Sie mir von dem Treffen. Wie war es?
Colin Campbell

(02:56)
Now it was very good. I knew the minister before he became the minister. – Green party man – he is in the government now. And he understood this and he fully accepts it and is trying, as well as he can, to introduce appropriate policies for Ireland – and I think, eventually he will succeed. But I saw him about a year ago last, or six month ago. And the poor man – his face was drawn. And he said, ah, he said, you cannot imagine the political and commercial ... and pressures I’m under from every side, that makes it so difficult for me to move. But little by little he’s trying. And I think that’s probably the same story in many countries that ... We’re talking about a big change. It’s not easy to make that. The best thing that could happen, is if Russia for example, would switch off gas supply to Europe for a five days, let’s say. And this would put the lights out throughout Europe for just a few days. This would be a big enough event that would allow the politicians to begin to react in some way. So long as there is not a big crisis, it’s not good politics to explain a problem, unless you have a solution. It’s interresting – I had to give a talk to some ... just a local group in the west of Ireland – farmers and farmer’s wives and so on. And frankly, I never met a more receptive audience – just simple people could understand perfectly well the limits and so on. They had seen it in their own lives. You know, small farmers know about limits. And ... so I think, once this point is turned, you get an enormous popular support. The first reaction is to blame the Arabs or blame the oil companies or blame the Russians or blame somebody else – but once people begin to see, it’s imposed by nature, then ... then they react positively. I mean, nobody blames the government for an earthquake. They can blame a government for not building the right buildings, but an earthquake itself ... they react positively, they help, they ... You know, the best of things come out. So we are just on this turning point. Nun, es war sehr gut. Ich kannte den Minister schon, bevor er Minister wurde. Und er hat es verstanden und akzeptiert es völlig und versucht, so gut er kann, geeignete Strategien für Irland einzuführen - und ich denke irgendwann wird er Erfolg haben. Aber ich sah ihn zuletzt vor einem Jahr oder sechs Monaten. Und der arme Mann - sein Gesicht war gezeichnet. Und er sagte, Ah, sagte er - Sie können sich nicht vorstellen, das politische und wirtschaftliche ... und der Druck, dem ich von allen Seiten ausgesetzt bin, was es so schwierig für mich macht, voran zu kommen. Aber in kleinen Schritten versucht er es. Und ich denke, es ist wahrscheinlich in vielen Ländern die gleiche Geschichte, dass ... Wir reden von einer großen Veränderung. Das ist nicht einfach. Das Beste, was passieren könnte, ist wenn z.B. Russland die Gasversorgung Europas für, sagen wir, fünf Tage unterbrechen würde. Und das würde einfach für ein paar Tage in ganz Europa die Lichter aus gehen lassen.
Das wäre ein groß genuges Ereignis, das es Politikern erlauben würde, zu beginnen in gewisser Weise zu reagieren. So lange es keine große Krise gibt, ist es keine gute Politik, ein Problem zu erklären, es sei denn du hast eine Lösung.
Es ist interessant - ich sollte einen Vortrag halten vor einigen ... einfach einer örtlichen Gruppe im Westen Irlands - Bauern und Bäuerinnen usw. Ehrlich gesagt habe ich nie zuvor ein empfänglicheres Publikum getroffen - nur einfache Leute haben es prima verstanden, das mit den Grenzen usw. Sie hatten es in ihren eigenen Leben gesehen. Wissen Sie, kleine Bauern wissen von den Grenzen. Und ... so denke ich, wenn einmal der Punkt überwunden ist, bekommt man enorme öffentliche Unterstützung. Die erste Reaktion, ist den Arabern die Schuld zu geben, oder den Ölgesellschaften oder den Russen oder sonst jemand - aber wenn die Leute einmal anfangen zu sehen, dass die Natur es bestimmt, dann ... dann reagieren sie positiv. Ich meine, niemand gibt der Regierung die Schuld für ein Erdbeben. Sie können einer Regierung vorwerfen, nicht die richtigen Gebäude zu bauen, aber ein Erdbeben selbst ... da reagieren sie positiv, sie helfen, sie ... Wissen Sie, da kommt das Beste zum Vorschein. Also, wir sind einfach an diesem Wendepunkt.
Paul Nellen So your conclusion would be ... it would be better to address the issue to the normal people, instead of politicians? Also wäre Ihre Schlussfolgerung ... es wäre besser, das Thema an die normalen Leute zu richten, statt an Politiker?
Colin Campbell

(05:16)
I think that politicians react – eventually to the pressures of the people. And so, to have a sort of popolar understanding of this – which grows – then eventually a politician sees a benefit in accepting it and doing something about it. He gets points for having said: Yea, I see the problem. I’m working to solve it. Up till now they say there is no problem. Look the other way. Ich denke, dass Politiker reagieren - früher oder später, auf den Druck, der von den Leuten kommt. Und, um eine Art öffentliches Verständnis dafür zu erreichen - welches zunimmt - dann sieht ein Politiker schließlich einen Vorteil darin, es zu akzeptieren und etwas darauf hin zu unternehmen. Er bekommt Punkte dafür, gesagt zu haben: Klar, ich sehe das Problem. Ich arbeite daran, es zu lösen. Bis jetzt sagen sie, es gibt kein Problem, ignoriere es.
Paul Nellen Now, in England, as well as in Ireland, popped up the so called Transition Town Movement. Jetzt ist in England und auch in Irland die Transition-Town-Bewegung aufgetaucht.
Colin Campbell

(05:50)
Oh yes! Transition Town Movement - it’s interesting – was started by Rob Hopkins and was working in Kinsale in this Permaculture Movement. And just since I happened to live in the facility, he once heard of me and said give me a talk on Peak Oil. So I went to his college and I was there all day, explaining this whole thing. And he became very interested and saw the significance of Peak Oil and the movement began and he had the local community there to address ... powerdown – how to reduce ... less energy. And then he moved back to England - he was an Englishman. And this Transition Town Movement is gaining enormous success – and they even have their local currency. I think that’s the most significant thing ... I was in a town in Ireland the other day, a transition town, and they are about to introduce their own currency. So that that would mean local trade. People would use the local currency to encourage local trade. I sense quite a big movement in this new localisation of things, which makes great sense. Oh ja! Transition-Town-Bewegung - das ist interessant - wurde von Rob Hopkins begonnen und lief in Kinsale, in dieser Permakultur-Bewegung. Und genau als ich zufällig in der Einrichtung wohnte, hörte er einmal von mir und sagte gib mir einen Vortrag über Peak Oil. Also ging ich zu seiner Bildungsstätte und war dort den ganzen Tag, um das Thema zu erklären. Und er wurde sehr interessiert und sah die Bedeutung von Peak Oil und die Bewegung begann und er hatte die Gemeinschaft dort, an die er sich wenden konnte ... Powerdown - wie man reduziert ... weniger Energie. Und dann ging er zurück nach England - er war ein Engländer. Und diese Transition-Town-Bewegung gewinnt enormen Erfolg - und sie haben sogar ihre lokale Währung. Ich denke, das ist das Bedeutsamste ... Ich war neulich in einer Stadt in Irland, einer Transition-Town, und sie sind dabei, ihre eigene Währung einzuführen. So, dass es lokalen Handel bedeutet. Die Leute würden die lokale Währung benutzen, um den lokalen Handel zu fördern. Ich spüre da eine große Bewegung in dieser neuen Regionalisierung der Dinge, was sehr sinnvoll ist.
Paul Nellen Do you think that Peak Oil means an imminent threat for mankind or is it a chance for mankind? Glauben Sie, dass Peak Oil eine bevorstehende Bedrohung für die Menschheit bedeutet oder ist es eine Chance für die Menschheit?
Colin Campbell As I say in the thing: The cheap energy from coal, followed by oil and gas allowed the population of the world to go from about one billion to 6.7 today. So, by 2050 we have enough oil to support only 2.3 billion people. That means ... in their present way of life! ... So the challenge of finding other energies or using less or something ... are really enormous. And I myself would imagine the population of the world will decline down to about half it’s present level by the end of the century. And I think ther’s quite a chance the life for the survivors might be much better and good. I don’t ... i’m not such an admirer of the present age (laughing). As a geologist I was working in the hills of Connemara, west of Ireland, and I used to have to stay in little cottages, miles from anywhere. I remember staying in a cottage about half the size ... just a small little place and they had two cows and they had some chickens and they could dig a littele peat out of the hill and they cooked with an open fire ... and they had nothing. They had very little money, but ... happy smiling, laughing people, cause this was the normal life for people in that area then. So they didn’t feel neglected or underprivileged or anything like that. And it was quite a nice life actually. It was nothing wrong with it, but very simple. And you find the strange Hippie community that in the past we considered crazy sort of people – actually in a certain sense they may ... they may be the way to the future, when people see – simple living in a rural condition – this might be regarded as a success case, not a failure. And the city-life becomes extremely difficult under what we decribe ... And already, you see – I spent my early years in London. It was a gentle town in the fifties. You could go anywhere, do anything ... it was not particularly any crime or anything. Now there are 20 teenagers stamped to death every month, more or less. So the change in ... just in my lifetime is not for the better. Wie ich es sage: Die billige Energie aus Kohle, gefolgt von Öl und Gas erlaubte der Erdbevölkerung, von etwa einer Milliarde auf heute 6,7 Milliarden Menschen anzusteigen. Also 2050 haben wir nur genug Öl, 2,3 Milliarden Menschen zu versorgen ... bei ihrem derzeitigen Lebensstil! ... Daher ist die Herausforderung, andere Energiequellen zu finden, oder weniger zu verbrauchen oder ähnliches, wirklich enorm. Und ich selbst würde mir vorstellen, dass die Weltbevölkerung bis zum Ende des Jahrhunderts auf etwa die Hälfte der heutigen Zahl zurück gehen wird. Und ich denke, dass eine gute Chance besteht, dass das Leben für die Überlebenden viel besser und gut sein könnte. Ich tue nicht ... ich bin kein solcher Verehrer des jetzigen Zeitalters (lachend). Als Geologe arbeitete ich in den Bergen von Connemara, im Westen Irlands, und ich musste in kleinen, ganz abgelegenen Hütten wohnen. Ich erinnere mich, als ich in eriner Hütte war, etwa halb so groß wie ... einfach ein kleiner Platz und sie hatten zwei Kühe und einige Hühner und sie konnten etwas Torf aus dem Hügel graben und sie kochten mit einem offenen Feuer ... und sie hatten nichts. Sie hatten sehr wenig Geld, aber... froh lächelnde, lachende Leute, denn das war das normale Leben für die Menschen in der Gegend zu der Zeit. Daher haben sie sich nicht zurückgesetzt oder unterprivilegiert gefühlt oder ähnliches. Und es war sogar ein ziemlich schönes Leben. Es war nichts falsch daran, nur sehr einfach. Und da gibt es die eigenartige Hippie-Gemeinschaft, die man in der Vergangenheit für eine verrückte Art von Leuten hielt - eigentlich könnten sie in gewisser Hinsicht der Weg in die Zukunft sein, wenn die Leute sehen - einfach zu leben unter ländlichen Bedingungen - das könnte als Erfolgsfall angesehen werden, nicht als Fehlschlag. Und das Stadtleben wird extrem schwierig, unter dem was wir beschreiben ... Und heute bereits, sehen Sie - Ich verbrachte meine frühen Jahre in London. In den Fünfzigern war es eine freundliche Stadt. Du konntest überall hin gehen, alles machen. Es gab nicht sonderlich viel Verbrechen oder sowas. Heute werden jeden Monat 20 Teenager zu Tode getreten, mehr oder weniger. Also die Veränderung ... nur während meines Lebenszeit ist nicht zum Besseren.
Paul Nellen Would you lay your hopes and expectations more ... you said - in normal people. Change will come from the countryside? Würden Sie ihre Hoffnungen und Erwartungen mehr in ... Sie sagten - in normale Leute setzen. Wird die Veränderung vom Land her kommen?
Colin Campbell

(09:33)
Yea. I’d think there’s a ... I mean we’ve had a excessive urbanisation. I mean, you look at Brasilia or Mecico City or ... in the so called underdeveloped world. These are extremely difficult places – crime, hardship, every kind of difficulty. But people have always lived more or less happily in rural conditions. That’s not bad. So I see a return to rural living. Fürwahr. Ich denke, es gibt eine ... Ich meine, wir haben bisher eine excessive Verstädterung gehabt. Ich meine, schauen Sie Brasilia an oder Mexico City oder ... in der sogenannten unterentwickelten Welt. Das sind extrem schwierige Orte - Kriminalität, Not, jede Art von Schwierigkeit. Aber die Leute haben schon immer mehr oder weniger glücklich in ländlichen Gegebenheiten gelebt. Das ist nicht schlecht. Also, ich sehe eine Rückkehr zu ländlichem Leben.
Paul Nellen But this means that, for example, the education system should be transformed. Aber das bedeutet, dass, z.B. das Bildungssystem verändert werden sollte.
Colin Campbell Yea, I would think so. I mean, we don’t need too many nuclear physicists (laughing). A ploughman is more useful (laughing). Ja, das würde ich denken. Ich meine wir brauchen nicht allzu viele Kernphysiker (lachend). Ein Pflüger ist nützlicher (lachend).
Paul Nellen For you personally, Peak Oil doesn’t mean a threat or something to have fear about. You see it more as a change ... as a chance as well. Für Sie persönlich bedeutet Peak Oil keine Bedrohung oder etwas, vor dem man sich fürchtet. Sie sehen es mehr als Veränderung ... und ebenso als Chance.
Colin Campbell

(10:30)
I would agree. Yea, it’s not a crisis. Well – sure it’s a crisis in the transition. But the outcome might be positive. It might be a more benign age.You know, I live in a village and I never lived in a village before, but it’s extremely nice. You know everybody. If we had a little problem, there’d be twenty people to help us. It’s sort of friendly, you know. And these people are not particularly wealthy or anything. They just know each other and some are nice(?) Ich würde zustimmen. Fürwahr, es ist keine Krise. Nun - sicher ist es eine Krise während des Übergangs. Aber das Ergebnis könnte positiv sein. Es könnte ein milderes Zeitalter sein. Wissen Sie, ich lebe in einem Dorf und ich habe nie zuvor in einem Dorf gelebt, aber es ist sehr nett. Du kennst jeden. Wenn wir ein kleines Problem hätten, wären da 20 Leute, die uns helfen würden. Es ist irgendwie freundlich, wissen Sie. Und diese Leute sind nicht speziell wohlhabend oder so. Sie kennen sich einfach gegenseitig und einige sind nett.
Paul Nellen Do you think that it is worthwhile to address Peak Oil to politicians or should we regard it as waste of time? Denken Sie, dass es sich lohnt, das Thema Peak Oil an Politiker zu richten oder sollten wir es als Zeitverschwendung ansehen?
Colin Campbell No, I think it’s always good to inform politicians by all means. You can’t expect much reaction from them normally, but I think there is a growing awareness already of ... You know, they might not like to accept it exactly, but at least they know the subject now. And it is somewhere in their consideration. I mean, the european commissioner, he wrote to me the other day – and seemed to accept that this was an important subject to address. So ... I think that’s quite useful. Nein, ich denke es ist immer gut, Politiker auf jeden Fall zu informieren. Man kann normalerweise nicht viel Reaktion von ihnen erwarten, aber Ich denke es gibt schon ein zunehmendes Bewusstsein von ... Wissen Sie, sie mögen es vielleicht nicht gern exakt annehmen, aber zumindest kennen sie jetzt das Thema. Und es ist irgendwo in ihren Erwägungen. Ich meine, der EU-Kommissar, der mir neulich schrieb - und er schien zu akzeptieren, dass dies ein wichtiges Thema sei, dem man sich annehmen müsse. Also ... ich denke das ist ziemlich sinnvoll.
Paul Nellen Are we late? Sind wir spät dran?
Colin Campbell Yea, we are already late to make the adjustment. We already see increasing violence around the world, riots, revolutions. Look at India, Pakistan and these places ... facing this change, which is very difficult, of course. Oh ja, wir sind schon spät dran, eine Anpassung vorzunehmen. Wir sehen schon zunehmende Gewalt rund um die Welt, Aufstände, Revolutionen. Schauen Sie nach Indien, Pakistan und diese Orte ... die mit dieser Veränderung konfrontiert sind, was natürlich sehr schwierig ist.
Paul Nellen When you see the Hirsch-report – and you read it - Bob Hirsch says, we need twenty years – before Peak Oil happens. Now, where are we now? Wenn Sie den Hirsch-Report sehen - und ihn lesen - Bob Hirsch sagt, wir brauchen 20 Jahre - bevor Peak Oil stattfindet. Nun, wo sind wir jetzt?
Colin Campbell Yea, he kind of has the assumption that we can somehow fix up the problem to continue to live in the existing way. I don’t agree with that. I think, we face some complete social change in the way we live and everything. So it’s not a case of building a new windmill simply to repalce an oilwell. You know, it’s a case of a much more deeper behavioral change. This Transition Town Movement is sort of one of the directions. I suppose in the United States you will find the different states will secede from the union eventally. There is no great point in the federal government if things become local and the people of Maine will want to figure out how to live in Maine, you know. And I think that’s positive actually. So the days of empires are sort of over. Tja, er hat gewissermaßen die Annahme, dass wir das Problem irgendwie in Ordnung bringen können, um in der bisherigen Weise weiter leben zu können. Ich stimme dem nicht zu. Ich denke, wir stehen vor einer kompletten sozialen Veränderung, in der Art wie wir leben und in allem. Es ist also nicht eine Frage von, eine neue Windmühle zu bauen, einfach um eine Ölquelle zu ersetzen. Wissen Sie, es ist eine Frage einer viel tieferen Verhaltensänderung. Diese Transition-Town-Bewegung ist eigentlich eine der Richtungen. Ich vermute, in den USA wird man sehen, dass sich die verschiedenen Staaten irgendwann von der Union abspalten werden. Die bundesstaatliche Regierung hat nicht viel Sinn, wenn die Dinge lokal werden und die Leute von Maine herausfinden wollen werden, wie man in Maine leben kann., wissen Sie. Und ich denke, das ist sogar positiv. Also die Tage der Imperien sind eigentlich vorbei.
Paul Nellen Here in Germany the Greens think, that as much green power renewables we have, we can avoid the consequences of Peak Oil. What do you think about that? Hier in Deutschland denken die Grünen, dass wir die Folgen von Peak Oil vermeiden können, weil wir so viele Erneuerbare Energien haben. Was denken Sie darüber?
Colin Campbell Oh, I think all of that is very useful – the environmental thing, the wind energy, the solar energy – all of that is essential and needed and is the right direction, but it’s not ... ist’s not going to allow economic growth ... absolutely not possible. I don’t even think it can even maintain the present situation, but it will make the change more easy and slower and more manageable. So it’s absolutely necessary and important and should be done, but it’s not going to allow this growth to go on forever. I mean, you’ve had the idea of eternal economic growth – is just ridiculous. Oh, ich denke das ist alles sehr sinnvoll - der Umweltschutz, die Windkraft, die Solarenergie - das ist alles notwendig und wird gebraucht und geht in die richtige Richtung, aber es wird nicht ... es wird kein Wirtschaftswachstum ermöglichen ... schlechthin nicht möglich. Ich denke nicht mal, dass es die derzeitige Situation aufrecht erhalten kann, aber es wird die Veränderung leichter, langsamer und leichter zu bewältigen machen. Es ist also absolut nötig und sollte gemacht werden, aber es wird nicht erlauben, dass dieses Wachstum für immer weiter geht. Ich meine, da war die Vorstellung von ewigem Wirtschaftswachstum - das ist einfach lächerlich.
Paul Nellen So why? Also warum?
Colin Campbell Well, the resources of the planet don’t permit it. The planet is a sphere, not a flat surface (laughing). There’s limits ... anyway. Naja, die Ressourcen des Planeten erlauben es nicht. Der Planet ist eine Kugel, keine ebene Oberfläche (lachend). Es gibt Grenzen ... sowieso.
Paul Nellen Do you think it could be helpful to go to communities, to go to larger corporations, to go to institutions of all sorts, to tell them about the consequences, when they do nothing to prepare against Peak Oil? Denken Sie, es könnte hilfreich sein, zu Gemeinden, zu größeren Firmen, zu Institutionen aller Arten zu gehen, um ihnen von den Konsequenzen zu erzählen, wenn sie nichts tun, um sich gegen Peak Oil vorzubereiten?
Colin Campbell I would say ... at the community level – certainly ... I find the sort of village-concept is something that’s a very strong one – and if you explain this situation to ordinary simple people, they understand extremely easily and well – and gradually from that low root builds the influence of the local powerful people and the politicials and so on – from the local circles' substance. As far as companies are concerned, they are simply part of the present system. And I think, the interesting time will come, when you find a executive of a major oil company stand up and say to his shareholders: „Gentlemen, I want to thank you for your support over the past 100 years. We are now planning to reduce our activities. We are going to be very profitable, well managed, but in twenty years we’re going to close the doors. Now, that sort of aproach ... and it might eventually be better, well received by the stock market and all that, than the other man who says: „Oh we are going to grow more and more and more“. When people start to see the limits, somebody who admits to them, gets more credibility than some dreamer off on that site. So we are just on this change, when ... when the benefit of dreams gives way to the benefit of reality (laughing). Ich würde sagen ... auf Gemeinde-Ebene - sicherlich ... Ich finde das Dorf-Konzept ist ein sehr starkes - und wenn Sie die Lage normalen einfachen Leuten erklären, verstehen sie es sehr leicht und gut - und allmählich entsteht aus dieser untersten Wurzel die Wirkung auf die örtlichen einflussreichen Leute und die Politiker und so weiter - von der Substanz lokaler Kreise her.
Was Firmen betrifft, diese sind einfach Teil des bestehenden Systems. Und ich denke, die interessante Zeit wird kommen, wenn man eine Führungskraft einer größeren Ölgesellschaft sieht, die aufsteht und zu den Aktionären sagt: "Meine Herren, ich möchte Ihnen für Ihre Unterstützung während der letzten 100 Jahre danken. Wir planen nun, unsere Aktivitäten zu reduzieren. Wir werden sehr profitabel und gut organisiert sein, aber in 20 Jahren werden wir die Türen schließen." Nun, diese Herangehensweise ... und sie könnte letzten Endes besser sein, gut aufgenommen vom Aktienmarkt und all dem, als der andere Mann, der sagt: "Oh, wir werden weiter wachsen, mehr und mehr und mehr." Wenn die Leute anfangen, die Grenzen zu sehen, wird jemand, der diese anerkennt, mehr Glaubwürdigkeit erhalten, als irgendein Träumer abseits von dem Ganzen.
Also wir sind gerade bei diesem Wandel, wenn ... wenn der Vorteil der Träume Platz macht für den Vorteil der Realität (lachend).
Paul Nellen In short – the connection between current financial crisis and the commodity crisis – Peak Oil crisis. Kurz - die Verbindung zwischen der gegenwärtigen Finanzkrise und der Rohstoffkrise - Peak Oil Krise.
Colin Campbell It was just the logic that the expansion of the economy needed cheap energy. I could see the peak coming. Cheap energy was no longer there. That meant that the debt, based on the assumption of growth lost its basis and the thing went bad. It was not ... very simple concept, really. If you lend more than you have on deposit ... that’s where the banks ... and that worked OK, so long as it was an expanding economy, but as soon as it’s a contracting economy, then debt goes bad, because it’s premised on expansion instead of contraction. So that’s what has happend now. Es war einfach die Logik, dass die Expansion der Wirtschaft billige Energie brauchte. Ich sah den Peak kommen. Billige Energie war nicht mehr da. Das bedeutete, dass die Schulden, die auf der Annahme von Wachstum basierten, ihre Basis verloren und die Sache ging schief. Es war nicht ... ganz einfaches Konzept, wirklich. Wenn Sie mehr verleihen, als Sie hinterlegt haben ... das ist, wo die Banken ... und das funktionierte ganz gut, so lange es eine expandierende Wirtschaft war, aber sobald es eine schrumpfende Wirtschaft ist, dann läuft die Verschuldung schief, weil sie auf Expansion basiert, statt auf Schrumpfung. Also das ist es, was jetzt passiert ist.
Paul Nellen What is in your opinion the outlook for the next five or six years? Will we overcome this crisis and then it will be business as usual? Was ist Ihrer Meinung nach die Aussicht für die nächsten fünf oder sechs Jahre? Werden wir diese Krise überstehen und dann wird es weiter gehen wie gehabt?
Colin Campbell No, I think the governments will fix this. They’re printing more money out of nothing. They are making the situation even worse. There might be a little economic recovery for the next three month, six month – I don’t know. But then, if demand for oil goes up again, we have another price spike and then the bigger crash. So we have a series of vicious circles, getting worse and worse, until some new kind of structure comes into place. So that would be my estimation.
We are looking at some major kind of change – and it will affect some more vulnerable places first. Already it is. You look at the riots and revolutions are rising around the world today. It’s already quite a change in many places. It hasn’t yet ... well, the Greeks had riots not so long ago in the summer. Spain is facing a big economic crash and so on and so on. So there we are. The time is ... the solutions are running out.
Nein, ich denke, die Regierungen werden das beheben. Sie drucken mehr Geld aus nichts. Sie machen die Situation noch schlechter. Es mag eine kleine wirtschaftliche Erholung geben in den nächsten drei Monaten, sechs Monaten - ich weiß nicht. Aber dann, wenn die Nachfrage nach Öl wieder ansteigt, haben wir wieder eine Preis-Spitze und dann den größeren Zusammenbruch. So haben wir eine Serie von Teufelskreisen, die schlimmer und schlimmer werden, bis eine neue Struktur an ihre Stelle kommt. Das wäre also meine Schätzung.
Wir blicken auf eine größere Art von Veränderung - und sie wird manche verwundbarere Orte zuerst betreffen. Sie tut es schon. Schauen Sie auf die Aufstände und Revolutionen, die sich heute rund um die Welt erheben. An vielen Orten ist es bereits eine ziemliche Veränderung. Es hat noch nicht ... nun die Griechen hatten Unruhen, vor nicht so langer Zeit im Sommer. Spanien sieht einem großen wirtschaftlichen Zusammenbruch ins Auge usw. usw.
Also da sind wir. Die Zeit ... die Lösungen gehen aus.


Anmerkungen:


Siehe auch mein Beitrag im deutschen Peak-Oil-Forum: Interview mit Colin J. Campbell am 19. Mai 2009 in Berlin


Letzte Änderung: 14. April 2014

Wolfram Zucker